Impressum

Scotland Road

Schauspiel von Jeffrey Hatcher

Die Besetzung

John Oliver Schad
Dr. Halbrech Verena Stenmans
Die Frau Susanne Neufeld
Miss Kittle Doreen Holzheier

Das Stück

Jeffrey Hatcher schrieb das Stück 1992, nachdem er im Supermarkt auf diese Zeitungsmeldung gestoßen war: »Titanic-Überlebende auf Eisberg gefunden - sie glaubt, es sei der 15. April 1912.«

“Scotland Road” wurde erstmals 1992 als szenische Lesung bei der National Playwright Conference im Eugene O’Neill Theater Club präsentiert. Die Uraufführung findet am 11.2.1993 im Cincinnati Playhouse in the Park (Cincinnati, Ohio) unter der Regie von Edward Stern statt. 1993 wurde es außerdem als bestes unter 837 eingereichten Manuskripten mit dem Rosenthal New Play Prize ausgezeichnet.

Die deutsche Erstaufführung fand am 10.9.1997 im Theater am Mäuseturm (Hamburg) unter der Regie von Arthur Donke statt.

Der Inhalt

"Um 2.41 Uhr am Morgen des 15. April 1992 entdeckte ein norwegischer Fischkutter, der 250 Meilen vor der isländischen Küste die Netze auslegte, etwa eine dreiviertel Meile steuerbord einen kleinen Eisberg. Auf dem Eisberg saß - in einem langen dunklen Kleid und einem Umhängetuch - eine Frau. Auf die Frage, woher sie komme, sagte sie nur ein einziges Wort. Das Wort lautete Titanic."

Wer ist die Frau? Eine Betrügerin, eine PR-Süchtige, eine Verrückte?

John, ein amerikanischer Gentleman und Titanic-Experte, will dem Geheimnis der schweigsamen und verstörten Frau auf den Grund gehen und sie als Betrügerin und ihre Geschichte als Komplott entlarven. Es gelingt ihm, die behandelnde Ärztin Halbrech dazu zu gewinnen, die Frau vor ihrer Einlieferung in eine Bostoner Spezialklinik zunächst selbst sechs Tage befragen zu dürfen. Im Laufe des tagelangen Verhörs entwickelt sich ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel ...

- "Und plötzlich merkt man, dass man aus einer großen inneren Tiefe aufgetaucht ist... und alles passt."

Die Inszenierung

Dieses Stück war ein reines Spielstück, in das man durch das Schauspiel schon viel hereininterpretieren kann. Bei der Inszenierung blieben wir daher nah an der Textvorlage, um die Intention des Autors hier zumindest am wenigsten zu verfälschen. Welche das nun war, darüber wurde in jeder Probe diskutiert. Da die einzelnen Szenen sehr kurz sind, musste der Wandel der Charaktere und der Wandel der Beziehungen der Personen zueinander jedes Mal stärker, aber doch nachvollziehbar sein.

Das Bühnenbild/Die Kostüme

Beim Bühnenbild hielten wir uns an die Vorgabe des Stückes, also spärlich mit nur einem Tisch und einem Deckstuhl, den uns ein Möbelhaus für die Dauer der Aufführung zur Verfügung stellte. Nach hinten wurde die Bühne durch gut 30 Meter weißer Stoffbahnen abgehängt, die gleichzeitig Türen verdeckten, die wir bis kurz vor der Aufführung zusammenzimmerten.

Die Kostüme waren ebenso zweckdienlich und entsprachen praktischerweise der heutigen Zeit: Ein Arztkittel, ein Anzug, der Bademantel und das auffallend orange (!) Kleid der Frau, die Decke für den Rollstuhl von Miss Kittle. So lenkte kaum etwas vom Spiel ab und wir konnten mit Licht und Schauspiel die Atmosphäre schaffen.

Die Aufführungen

12. + 13. September 2002; Bühnenhaus Kevelaer

Das besondere an der Aufführung war natürlich, dass wir zum ersten Mal mit Sp.u.D.nik im Bühnenhaus waren. Dabei nahm der Aufbau der Türen die meiste Zeit des Bühnenaufbaus in Anspruch. Aber ebenso wie das gebastelte Titanic-Modell wurde alles rechtzeitig zur Aufführung fertig. So konnten wir dann mit der großen Bühne und den vielen möglichen Ausleuchtungen das Stück und die beklemmende Atmosphäre richtig zur Geltung bringen.
Beklemmend war es im Zuschauerraum leider nicht, viele Plätze blieben leer, so dass nur schwer eine angenehme Spielatmosphäre aufkam.
Das war allerdings nicht der Auslöser für das später oft gehörte Statement "Ich hab das Stück nicht verstanden." Vielmehr war dieses Stücke sicher eins der anspruchsvollsten und damit im Nachhinein am meisten diskutierten Stücke.

Das Programmheft

Einfach mal einen Blick reinwerfen
Passend zum Zeitungsartikel, der die Grundidee des Theaterstücks war, haben wir diesmal das Programmheft als Zeitung gestaltet.

 

Stimmen

Das Stück war bis zu diesem Zeitpunkt sicher die größte Herausforderung für uns und dabei auch genau nach meinem Geschmack. Ein Stück, das man sich erst im Laufe der Proben erarbeitet, bei dem man immer wieder andere Feinheiten und Interpretationsmöglichkeiten findet und erst bei der Aufführung glaubt, es endlich verstanden zu haben. Hier konnte jede Szene, jeder Satz und vor allem das Ende heiß diskutiert und umkämpft interpretiert werden. Dieses Stück hätte für mich gar nicht aufgeführt werden müssen; allein die Auseinandersetzung mit dem Stoff, den Charakteren und ihren Absichten hat mir (als "Regisseur") in jeder Probe sehr viel Spaß gemacht.
Und schon wieder muss ich feststellen: Hätten wir noch mehr Zeit gehabt, hätten die Zuschauer das Stück auch besser verstanden. Gut, die Gruppe hat sich zum Schluss noch richtig reingehängt und die Sache sehr gut auf und über die Bühne gebracht, aber der Regisseur (und das war wohl ich) hätte am Anfang schon mehr die Zügel anziehen müssen.
Ich bereue allerdings nicht die Entscheidung, mit dem Stück ins Bühnenhaus gegangen zu sein, da es auf dieser großen Bühne mit den ganzen lichttechnischen Möglichkeiten doch eine ganz andere Atmosphäre gab. Schade war natürlich, dass nur verhältnismäßig wenig Zuschauer "Scotland Road" gesehen haben, denn diese Stück hätte sicher viel mehr Zuschauer verdient, nicht zuletzt auch wegen der Arbeit die drinsteckte. (Stephan Schotten)

Die Presse

art_sr_kb_gross.jpg
Kevelaerer Blatt 6.9.02